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Lehár Festival
 
         
 
DIE CSÁRDÁSFÜRSTIN: Eröffnungsreden
17.07.2010

Am 17. Juli 2010 begann das Lehár Festival Bad Ischl mit der Premiere von DIE CSÁRDÁSFÜRSTIN seine heurige Spielzeit. Zur feierlichen Eröffnung sprachen nach der Begrüßung von Intendant Dr. Michael Lakner Bürgermeister und Kulturstadtrat Hannes Heide, Landeshauptmann Dr. Josef Pühringer und Schauspielerin Nicole Beutler. Die Reden von Herrn Dr. Pühringer und Frau Beutler liegen uns im Manuskript vor.

 

LH Dr. Josef Pühringer zur Eröffnung des Lehár Festivals Bad Ischl 2010

www.josef-puehringer.at

Es gilt das gesprochene Wort!

LH Dr. Josef PühringerHeuer feuern wir wieder ein rundes Jubiläum. 140 Jahre wäre heuer Franz Lehár alt geworden. Mit Operetten wie "Das Land des Lächelns", "Die lustige Witwe" oder "Der Zarewitsch" hat er musikalische Meilensteine gesetzt. In heutigen Maßstäben gemessen wäre er ein Superstar, ein Weltstar, wäre er mindestens auf eine Stufe mit Andrew Lloyd Webber oder mit Erfolgsbands, wie den Beatles oder ABBA, zu stellen.

Dieses traditionsreiche Festival – 1961 unter dem Namen "Internationale Gesellschaft – die Operette" gegründet und seit 2004 auf Initiative von Dr. Michael Lakner "Lehár Festival Bad Ischl" genannt – macht auch nach 49 Jahren wie gewohnt Lust auf musikalische Sommerfrische im Herzen des Salzkammergutes.

Es würdigt seines Namensgeber anlässlich seines 140. Geburtstages mit zwei konzertanten Aufführungen von Lehárs "Carmen"-Version (mit Happy-End!), "Frasquita", am 15. und 16. August 2010.

Den Auftakt macht heute Emmerich Kálmáns „Die Csárdásfürstin“. Als zweite szenische Produktion erlebt am 24. Juli 2010 Leo Falls Klassiker „Der fidele Bauer“ – eine komische Operette über den Zusammenprall zwischen Bauern- und Bürgertum – seine Aufführung. Regie führt die bekannte Kabarettistin Dolores Schmidinger.

Die heurigen drei Stücke verbindet eine dramaturgische Klammer. Alle drei Operetten haben den Zusammenstoß verschiedener Welten bzw. Klassen zum Inhalt und die Überwindung von Vorurteilen und Standesdunkeln. Sind es in "Die Csárdásfürstin" die Standesunterschiede zwischen der Aristokratie und dem Bürgertum, die Konfliktpotenzial bieten, so sind es in "Der fidele Bauer" Bildungsbürgertum und Bauerntum, die aufeinander treffen. In "Frasquita" sind es schließlich der Adel und die Zigeuner, die hier gegenüber stehen.

Der Erfolg der vergangenen Jahre zeigt nicht nur, dass die Operette immer Saison hat, quasi ein zeitloses Genre ist. Der Erfolg zeigt auch, dass es auf die Verpackung ankommt. Damit meine ich das professionelle Umfeld. Für das Léhar Festival Bad Ischl bedeutet dies:

  • Mit Dr. Lakner seht ein Intendant an der Spitze, der seine Berufung lebt und das Léhar Festival zu einer Kulturmarke ersten Ranges in der breit aufgestellten oberösterreichischen Kulturlandschaft gemacht hat.
  • Es arbeiten hervorragende Mitarbeiter im Hintergrund, die Dr. Lakner bestmöglich unterstützen.
  • Und es treten hervorragende Künstlerinnen und Künstler auf, die ihr Fach beherrschen und mit Freude in jede Aufführung gehen, Freude, die das Publikum spürt und die wie ein Funke überspringt. Es sind einerseits Stars, die dem Festival Jahr für Jahr ihren persönlichen Stempel aufdrücken, aber es sind auch junge Sänger, die Bad Ischl als Karrierechance sehen und diese Chance auch beim Schopfe packen.
  • Und – last but not least – das Festival lebt mit der immer größer werdenden Publikum, das seit Jahren ihrem Festival die Treue hält bzw. immer neu dazu stößt.

Auch heuer zeigt wieder ein Blick auf den oberösterreichischen Kultursommer, dass die Kulturlandschaft in unserem Land eine sehr lebendige ist. Heuer können die zahlreichen Veranstaltungen auf der neuen Homepage www.kultur-oberösterreich.at "online" abgefragt werden. Dies zeigt auch, dass sich die heimische Kultur vermehrt den modernen Medien bedient, um noch näher an den kulturbegeisterten Menschen zu sein.

Dass sich die Oberösterreicherinnen und Oberösterreicher intensiv mit Kultur auseinandersetzen und in ihrer Freizeit das umfangreiche Kulturangebot mit Begeisterung annehmen, zeigen die Besucherzahlen bei den diversen Festivals oder in den Museen, nicht nur den großen in Linz, wie dem Schlossmuseum oder der Landesgalerie, sondern auch in den zahlreichen Heimathäusern, die von vielen ehrenamtlichen Hobbyhistorikern in liebevoller Kleinarbeit geführt werden.

In diesem Zusammenhang möchte ich auch die heurige Landesausstellung nennen. Mit dem Thema "Renaissance und Reformation" wurde im Gegensatz zu der Landesausstellung im Stift Schlierbach im vergangenes Jahr oder auch vor zwei Jahren hier im schönen Salzkammergut ein historisch nicht leichtes Thema gewählt, denn es handelt sich um ein sehr komplexes geschichtliches Thema, um eine richtungweisende Epoche, nicht nur für Oberösterreich, sondern für weite Teile Europas. Aber dennoch wird diese Ausstellung von den Besuchern angenommen, und wir können in den kommenden Tagen bereits den 100.000sten Besucher willkommen heißen.

Ihnen, verehrtes Publikum, das nach Bad Ischl ins Kongresshaus kommt, um sich von der Operette bezaubern zu lassen, brauche ich nicht zu erklären, dass es wert ist, sich auch mit Dingen zu befassen, die sich nicht mit dem Maßstab messen lassen.

Gerade in wirtschaftlich schweren Zeiten sind Investitionen in die Kultur gut angelegt. Diese Investitionen sind auch ein deutliches Zeichen, dass wir an die Zukunft glauben.

Was das gute Lebensgefühl angeht, sind wir ja hier gut aufgehoben. Zum einen hat es Bad Ischl schon immer besonders verstanden, sich um das Wohlbefinden der Gäste, aber auch der Einheimischen zu kümmern. Die Bergkulisse, das angenehme Klima und das Heilwasser sind natürlich die besten Voraussetzungen dafür. Aber Ischl hat auch nicht übersehen, dass sich die Bedürfnisse der Menschen des 21. Jahrhunderts geändert haben. So wurde z. B. durch den großzügigen Um- und Neubau der Kaiser-Therme auf neue Entwicklungen reagiert. Dazwischen, gut eingebettet, hat die Kultur ihren festen Stellenwert.

Allen voran die Operette. Kein anderes Genre vermag es so gut, die Zeitgeister über Generationen hinweg, im gemeinsamen Bekenntnis zur Unterhaltung, zur Leichtigkeit zu versöhnen. Ich stimme da mit Franz-Welser Möst überein, der meint, dass sich im Theater unsere Phantasien und Emotionen frei bewegen können und wir uns Anstöße und Anreize für unsere menschliche Entwicklung holen können, aber dass auch der Anspruch auf Unterhaltung legitim ist und von jeher eine wichtige Seite des Theaters war.

Ich gratuliere dem Veranstalter ganz herzlich zu diesem großartigen Publikumserfolg. Ein deutliches Zeichen für die Qualität des Festivals. Denn eines ist sicher, die Politik kann gute Bedingungen für die kreative Arbeit schaffen. Anerkennung durch das Publikum kann nur die künstlerische Qualität erwirken.

Ich danke Herrn Intendanten Dr. Lakner und dem gesamten Operetten-Team für die hervorragende Arbeit der letzten Jahre sehr herzlich. Für mich ist es eine besondere Freude mitzuerleben, wie hoher künstlerischer Anspruch und Feingefühl für die Wünsche des Publikums zusammenwirken.

Ich wünsche dem Festival großen Erfolg und Ihnen, meine Damen und Herren einen kurzweiligen Abend.

 

 

Nicole Beutler: Festrede zur Eröffnung des Lehár Festivals Bad Ischl 2010

www.nicole-beutler.com

Nicole Beutler, Foto: (c) Ruth KappusMeine sehr geehrten Damen und Herren, werte Festgäste, liebes Publikum!

Man kann ja heutzutage anscheinend alles mit der Operette machen. Nur eines kann man immer noch nicht: Über sie reden.Wer über die Operette nur redet, verzichtet auf ihren wichtigsten Bestandteil, die Musik. Wer die Operette zum Thema intellektueller Auseinandersetzungen macht, übersieht den Kern dieses Genres: Die Emotion. Wer den Kopf zu sehr betont, vergisst, dass es bei der Operette primär um andere Körperteile geht: Um den Bauch. Ums Herz.

"Wovon man nicht reden kann, darüber muss man schweigen", heißt es bei Ludwig Wittgenstein in seinem "Tractatus Logico-Philosophicus". Für eine Festrede ein schwieriger Ansatz. Halten wir es daher umgekehrt: Wenn man über die Operette schon nicht reden kann – gestatten Sie bitte, dass ich auch darauf verzichte, sie zu besingen –, dann lassen Sie uns doch wenigstens kurz erläutern, was man im Zusammenhang mit der Operette sonst auch alles nicht kann, obwohl man es stets zu können glaubt...

Man kann – darauf beharren zumindest manche Regisseure – die Operette zerstückeln, das Libretto zersägen, die Geschichte neu montieren. Und was kommt dabei heraus? Eine Csárdásfürstin auf dem Mond, ein Chor in Nazikostümen oder ein Fideler Bauer als nordkoreanischer Diktator? Bitte nicht.

Man kann – so glauben es manche Besetzungsbüros – die Operette (und manchmal auch die etwas neuere Form des Musicals) mit Protagonisten besetzen, deren Frisur besser sitzt als deren Stimme. Wobei der Trend ja heute in alle Richtungen geht: Fernsehstarlets werden auf die Bühne gestellt,

Moderatoren werden Schauspieler, Schauspieler werden Tänzer... Ich warte nur noch darauf, dass Paris Hilton demnächst einen Beethoven-Zyklus in einem großen Konzertsaal spielt – ausverkauft wäre die Veranstaltung.

Aber sollte es nicht immer noch so sein, dass man seinen Beruf erlernt haben muss, ehe man ihn ausübt? Nein, es kann nicht jede und jeder alles. Ja, der Werbeeffekt ist wichtig, aber nicht annähernd so wichtig wie die künstlerischen Voraussetzungen.

Was kann man noch alles mit der Operette anstellen?

Man kann sie für tot erklären und gar nicht mehr spielen.

Man kann sie für das Wichtigste der Welt halten und zu einem "wunderbaren" gigantomanischen Spektakel aufblasen, bei dem das Feuerwerk ebenso wichtig ist wie die schönste Melodie.

Man kann sie ins Museum hängen, die einzelnen Werke wie Ölgemälde betrachten und nie wieder anrühren.

Man kann sie neu erfinden und dabei etwas schaffen, was mit der Operette nicht das Geringste zu tun hat.

Aber ganz egal, was man mit der Operette auch macht: Irgendwann wird man bemerken, dass es sich um wenige, aber dafür ganz große Kunstwerke handelt. Dass ihre Schöpfer wahre Meister waren. Dass die meisten Geschichten um vieles klüger sind, als man es auf den ersten Blick vermutet. Und dass die musikalischen Schlager von einer Kraft sind, die uns noch in vielen, vielen Jahren berühren wird.

Wenn man all das einmal erlebt hat, dann gibt es eine einzige Sache, die man mit der Operette wirklichen machen kann: Sie ernst nehmen. Sie schätzen. Sie hochhalten. Sich ihr mit dem nötigen Respekt nähern. Und ihr vertrauen. Insofern unterscheidet sie sich kein bisschen von dem Metier, in dem ich primär zu Hause bin: Dem Schauspiel.

Warum ich mir anmaße, Ihnen das zu erzählen? Weil Schauspieler immer auch musikalische Menschen sind. Weil die Operette von allen musikalischen Gattungen jene ist, die meinem Beruf am nächsten kommt. Und weil ich einen starken persönlichen Bezug zu Bad Ischl habe.

Erstens verbringe ich schon seit langem, wie einige von Ihnen vielleicht wissen, einen Gutteil des Jahres im Salzkammergut, das zu meiner zweiten Heimat geworden ist, und weiß, wie ernst gerade die Festspiele in Bad Ischl dieses Fach nehmen. Zweitens habe ich schon als Kind über meine Tante mitbekommen, was hier alles passiert. Meine Tante Fritzi Prager sang am Landestheater Linz, an vielen deutschen Bühnen, an der Wiener Volksoper und vor allem in Bad Ischl zahlreiche Rollen. Nirgends hat sie sich so wohl gefühlt wie hier.

"Hat" muss ich deshalb sagen, weil sie vergangenes Jahr völlig unerwartet und viel zu früh gestorben ist.

Liebe Tante Fritzi, du hast Bad Ischl geliebt! Ich bin sicher, du bist auch heute Abend hier bei uns!

Ich wünsche Ihnen allen einen schönen Abend.


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